Conrad Piet

„Ick wull drinken ut Conrad Piet !“

So ähnlich mag es ein Bauer, ein Korbmacher oder Hausschlachter
gesagt haben, als er um die Jahrhundert wende die Gaststube von
Gut Moorbeck betrat. Kaum hatte er seine Mütze an den Nagel
gehängt, stellte ihm Enno Hespe, der damalige Wirtsmann, ein
Schluckglas und eine Flasche auf den Tisch, die aussah wie ein Mann
in Uniform.

Doch nicht jeder hatte das Recht, aus dieser kuriosen Flasche zu
trinken. Man mußte schon Mitglied sein beim „Conrad Piet“. Ein neues
Mitglied mußte sich zunächst in ein sorgfältig geführtes Mitgliedsbuch
eintragen und als erstes für eine Kornfüllung sorgen.

Einen kostenlosen „Schluck“ konnte jedes Mitglied trinken, solange
„Conrad Piet“ nicht die Füße trocken wurden. Fand sich in gemüt-
licher Gesellschaft ein neues Mitglied, konnte es sich mit einem
Trinkspruch in das Mitgliedsbuch eintragen, aber mußte auf jeden Fall
den „Conrad Piet“ auffüllen lassen.

Die ersten Eintragungen aus dem noch vorhandenen Mitgliedsbuch
stammen aus dem Jahr 1899. Damals kostete die Flaschenfüllung
- Inhalt etwa 10 Schnapsgläser - gerade einmal 50 Pfennig. Aus den
damaligen Eintragungen ergab sich, daß der Wirtsmann nicht immer
die Namen der „Conrad-Piet-Trinker“ behalten konnte. So vermerkte
er beispielsweise in einem zusätzlichen Anschreibebuch: „Fünf Korn
für den krummbeinigen Dachdecker“.

Ende der fünfziger Jahre schrieb ein Clubmitglied: „Ick wünsch jeden
Minschen, dat em gut geit; bloß mi am Besten“. Und auch dieser
Spruch wurde verewigt: „Wer Dag für Dag sin Arbeit deit, un jümmers
ob sin Posten steiht, un deit dat mög un deit dat gern, de kann sük ok
mol amüsern“.

Quelle: Eine Zeitreise durch Huntlosen.
Ein heimatliches Lesebuch von Dirk Faß
ISENSEE VERLAG OLDENBURG 1988